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Messedirektor Jörgen Golz: „Frankfurt braucht eine Kunstmesse!“

Im Interview verrät Messedirektor Jörgen Golz, warum sich die Discovery Art Fair für Frankfurt als weiteren Messestandort entschieden hat, was er persönlich an der Stadt besonders schätzt und was Aussteller und Besucher bei der ersten Ausgabe der neuen Kunstmesse erwarten können.

Vom 1. bis 4. November 2018 feiert die Discovery Art Fair Frankfurt ihre Premiere in der Bankenmetropole. Worauf können sich Aussteller und Besucher der Messe freuen?

Auf eine lebendige Messe mit großer Vielfalt. Auf über 2.000 Quadratmeter werden rund 80 internationale Aussteller ein facettenreiches Angebot von hochaktuellen Kunstwerken ohne Spekulationszuschlag anbieten. Wo sonst findet man so viele künstlerische Positionen an einem Ort versammelt? Die entspannte und kommunikative Atmosphäre lädt zum Entdecken ein. Wir können garantieren, dass sowohl Käufer mit schmalem aber auch mit etwas dickerem Portemonnaie auf ihre Kosten kommen. Wir bieten eine große Auswahl an (noch) günstigen, neuen Werken an, aber auch für den vorsichtigen Käufer finden sich auf dem Kunstmarkt schon etablierte Positionen zu bezahlbaren Preisen. Wir laden alle Kunstinteressierte nach Frankfurt ein, sich selbst ein Bild von der großen Vielfalt zu machen: Neben Fotografie, Skulpturen, digitaler Kunst und Gemälden werden sie auch Urban Art und genreübergreifende Werke finden.

Warum haben Sie gerade Frankfurt am Main als dritten Veranstaltungsort für Ihre Entdeckermessen gewählt?

Frankfurt braucht eine Kunstmesse! Wie groß das Kunstinteresse der Frankfurter ist, belegt eine dimap-Studie im Auftrag des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, laut derer 63% der Einwohner Kunstausstellungen besuchen. Wir treffen hier also auf ein interessiertes Umfeld für eine Kunstmesse.

Und: Die Stadt Frankfurt besitzt ein fantastisches Potenzial für den Verkauf von Kunst. In der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main leben insgesamt 5,5 Millionen Menschen. In einem 200 Kilometer-Radius um Frankfurt am Main sind es beachtliche 44 Millionen Einwohner! Wenn es uns gelingt, nur einen halben Promilleanteil für unsere Messe zu begeistern, können wir uns auf 22.000 Besucher freuen. Die Region strotzt vor Wirtschaftsstärke und Kaufkraft. Hier finden wir die nötige Finanzkraft für den Kauf von Kunst. Eine Kaufkraft die weiter zunehmen wird. In Frankfurt sind die positiven Auswirkungen des Brexits auf die Stadt bereits jetzt wahrnehmbar.

Allgemein wird eine Korrelation zwischen Bildungsgrad und Kunstaffinität unterstellt. Frankfurt verfügt über eine hohe Zahl an exzellenten Universitäten mit sehr hohem Ausbildungs- und Forschungsniveau. Mehr als jeder sechste (18,1 Prozent) Einwohner der hessischen Metropole kann einen akademischen Abschluss vorweisen. Damit belegt der Akademikeranteil in Frankfurt im bundesweiten Städtevergleich den zweiten Platz.

Ein weiteres Plus ist die Internationalität der Stadt in einer Welt, die, trotz Hegemonialbestrebungen einiger weniger Ausnahmestaaten, immer mehr zusammenwächst. Der Frankfurter Flughafen ist ein internationaler Knotenpunkt. Und eine weltweite Vernetzung und Austausch sind auch die Ziele unserer Messe.

Und wenn wir einen Blick auf die geografische Karte werfen: Wir veranstalten eine Messe in Berlin, eine in Köln und decken mit der DAF Frankfurt nun auch den südlicheren Teil des Landes ab.

Wie unterscheidet sich der Kunstmarkt-Standort Frankfurt von den anderen Austragungsorten Ihrer Kunstmessen, Köln und Berlin?

Den größten Unterschied sehe ich zwischen Frankfurt und Berlin. Berlin ist vermutlich der weltweit größte Produktionsort von Kunst. Als Handelsplatz von Kunst hat Berlin nicht diese exponierte Position. Das künstlerische Interesse an Berlin ist hoch, die Möglichkeiten zu internationaler Vernetzung ebenso, aber die Kaufkraft ist im Vergleich zu Frankfurt oder auch zu Köln eher bescheiden. Aufgrund der Historie ist Berlin die Spinne ohne Netz doch im Gegensatz zu Köln und Frankfurt muss sich die Sammlertradition an der Spree erst noch entwickeln.

Köln ist ein etablierter und erfolgreicher Umschlagsort für Kunst, Frankfurt hat da noch etwas Nachholbedarf. Vielleicht können wir mit unserer Messe einen Beitrag leisten, dass sich auch Frankfurt zu einem maßgeblichen Handelsplatz für zeitgenössische Kunst entwickelt, der international wahrgenommen wird.

Wir wissen aus vorhergehenden Interviews wie wichtig die Wahl der richtigen Messe-Location für das gelingen einer solchen Veranstaltung ist. Warum fiel Ihre Wahl auf das Frankfurter Messegelände?

Raum ist in Frankfurt ein knappes Gut. Damit sich eine Messe entfalten kann, braucht sie aber Platz, viel Platz. Und eine Messe braucht langfristige Planungssicherheit. Wir sind anders aufgestellt als freie Projekte, wie z.B. der Oststern, der gerade die ehemalige Mercedes Benz Niederlassung an der Hanauer Landstraße bespielt. Zudem benötigen wir eine zentrale Lage mit guter Verkehrsanbindung. Es kam also nur das Frankfurter Messegelände in Frage, das alle geforderten Kriterien erfüllt. Die Messe Frankfurt ist ein Ausstellungsort von internationalem Rang, also der richtige Rahmen für eine international ausgerichtete Kunstmesse. Besonders freuen wir uns darüber, dass die Messe im „Forum“ stattfinden wird; in meinen Augen die schönste Halle des gesamten Messegeländes.

Sie sind im Vorfeld der Messe bereits viel in Frankfurt unterwegs. Was gefällt Ihnen persönlich an der Mainmetropole am besten?

Neben all den schönen Wolkenkratzern, Museen, dem Äppelwoi, der Altstadt, dem Dom… gefallen mir zwei Sachen richtig gut: Eine spezielle Frankfurter Form der Gelassenheit (außer beim Autofahren) und die beiden Uferwege am Main entlang! Dort hat man den Blick auf das Wasser, Gänse und Wiesen, auf der einen Seite sieht man die historischen Bauten und auf der gegenüberliegenden Seite die Mega-City und in der Mitte blubbern die Frachtschiffe – toll.

Was ist Ihr Eindruck von der hiesigen Kunst- und Kulturszene?

Die Szene ist in gewissem Sinne familiär, aber trotzdem mit einer großen Vielfalt gesegnet. Da sind zum einen die großen Museen: Vor allem durch seine einzigartige Museumslandschaft besitzt Frankfurt ein großes Renommee als Kunst- und Kulturmetropole. Die ca. 60 Ausstellungshäuser zählen jährlich 2,4 Millionen Besucherinnen und Besucher. Institutionen wie das Städel Museum, die Schirn Kunsthalle oder das Museum für Moderne Kunst (MMK) sind weltbekannt. Die Städelschule bildet Künstler aus, die weltweite Bekanntheit erreichen.

Auch die Künstlerszene ist vielfältig und lebendig; u. a. deswegen, weil Frankfurt sich für seine Künstler engagiert. Ein aktuelles Beispiel: Es ist maßgeblich dem Engagement der Stadt Frankfurt zu verdanken, dass das Atelierfrankfurt Planungssicherheit für die nächsten zehn Jahre hat. Der Wegzug der Künstler nach Berlin hat sich inzwischen umgekehrt. Viele sind in die Mainmetropole zurückgekehrt. Auch die Galerienszene besitzt eine große Vielfalt: Von der Fahrgasse über das Bahnhofsviertel bis hin zu Projekten wie dem Kunstverein Familie Montez findet man in Frankfurt ganz unterschiedliche Positionen für ganz unterschiedliche Geldbeutel und Geschmäcker. Schön wäre es, wenn Frankfurt neben der Schirn auch einen Kunstraum für die Off-Szene mit etwas experimentellem Charakter schaffen würde. Das würde die gesamte Kunstszene in Frankfurt befruchten und mit Sicherheit internationale Beachtung finden.

Ist es nicht schwer in einer Metropole wie Frankfurt, in der sich vieles um Banken und Finanzen dreht, die Leute für zeitgenössische Kunst zu begeistern?

Nein, Geld und Kunst gehen prima zusammen. Wir machen mit der DAF Frankfurt ein spannendes Angebot. Eine künstlerische Vielfalt unter einem Dach, die man anderswo in so konzentrierter Form in so kurzer Zeit nicht erleben könnte.

Und unsere Kunstwerke sind hochspekulativ, das sollte viele Banker doch reizen. Viele Besucher mit dem richtigen Riecher haben auf unseren Messen richtige Schnäppchen gemacht, weil sie Künstler in ihrem Anfangsstadium gekauft haben, die eine schöne Wertsteigerung erfahren haben. Ich kann aber nur den Rat geben: Kauft mit dem Auge, nicht mit dem Portemonnaie! Die Freude, der Genuss, den das neue Lieblingswerk täglich schenkt, sind doch Rendite genug. Außerdem sind die Menschen von Natur aus neugierig und auf unserer Messe können die Besucher ihre Neugierde auf künstlerische Inhalte befriedigen.

Wir unterschätzen den Aufwand, den es bedeutet, eine neue Messe aufzubauen, auf keinen Fall, aber mit der Unterstützung durch die Stadt Frankfurt und das Land Hessen sind wir sicher, dass wir genauso wie bei unserer letzten Berliner Messe, die Eröffnungsveranstaltung wegen Überfüllung zeitweise schließen müssen.

Von 1989 bis 2007 war Frankfurt der Schauplatz der renommierten Kunstmesse Art Frankfurt. In wieweit schließen Sie an diese langjährige Kunstmesse-Tradition an und in wieweit unterscheidet sich Ihr Konzept von dieser klassischen Kunstmesse?

Die ehemalige Art Frankfurt und die DAF Frankfurt haben eine identische Zielsetzung: Den Verkauf von zeitgenössischer Kunst. Auch wir veranstalten die Messe auf dem Messegelände und die Anzahl der Aussteller ist ebenfalls vergleichbar. Auch wir bieten eine White Cube Architektur für die Präsentation der Kunstwerke an.

Aber seit 2005 hat sich eine Menge in der Kunstwelt getan. Da war der Einbruch nach dem Jahr 2007, die neuen Medien und neue Strömungen spielen eine wichtige Rolle auf dem Kunstmarkt. Speziell das Selbstbewusstsein der Künstler hat sich gewandelt. Die DAF Frankfurt trägt dem Rechnung und lässt Künstler gleichberechtigt neben Galerien und Projekträumen zu. Unser Ansatz ist mit Sicherheit demokratischer.

Wir möchten unseren Beitrag dazu leisten, dass die bildende Kunst wieder mehr Bedeutung in der Gesellschaft erlangt. Neben den klassischen Kunstbegeisterten versuchen wir neue Zielgruppen für zeitgenössische Kunst zu begeistern. Wir tun das mit einer gezielten Ansprache von Zielgruppen, die über ein frei verfügbares Einkommen verfügen, das es ihnen ermöglicht, in Kunst zu investieren; und sei dieses Budget auch noch so klein. Wichtig für die Messe ist die Beseitigung von Zugangsbarrieren, sowie ein vielfältiges Angebot und eine kommunikative, offene Atmosphäre.

Am 19. Juni präsentiert das Team der Discovery Art Fair sich und das Konzept der Messe erstmals bei einem öffentlichen Termin in Frankfurt. Können Sie darüber schon etwas Näheres verraten?

Mein Team und ich werden die DAF Frankfurt im Kunstverein Familie Montez ausführlich vorstellen. Es freut mich, dass unser Kurator Dr. Peter Funken und Stefan Maria Rother mich an dem Abend unterstützen. Selbstverständlich stehen wir für Fragen, Anregungen und Hinweise gerne zur Verfügung. Wir würden uns freuen, wenn der Abend von einer lebendigen Diskussion geprägt ist. Die Veranstaltung richtet sich an Medienvertreter, an Akteure des Kunstmarktes – seien sie nun Galeristen, Künstler, Kuratoren, Angehörige von institutionellen Kulturträgern – aber auch die interessierte Öffentlichkeit ist natürlich herzlich willkommen. Egal ob Sie gestandener Galerist sind, Mitglied eines Projektraumes oder Einzelkünstler, der seine Vermarktung in die eigenen Hände nehmen möchte: Wir versuchen alle Ihre Fragen zu beantworten.

Sie sind herzlich willkommen zu unserem „Meet The Team“ am Dienstag, 19. Juni 2018, ab 19:00 im Kunstverein der Familie Montez, Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt am Main