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Vorschau auf die KÖLNER LISTE 2017: 
Wir haben Messedirektor Jörgen Golz zum Interview getroffen.

Kunstmesse ist nicht gleich Kunstmesse: Wie unterscheidet sich die KÖLNER LISTE von anderen Messen?
Neben der klassischen Aufgabe als temporärer Handelsplatz für Kunstwerke mit der Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit und ohne Reisetätigkeit so viele unterschiedliche Positionen zu sehen, verstehen wir unsere Messen als Live-Veranstaltungen, in die eine Vielzahl von Aktivitäten eingebettet sind. Sie dienen als Networking-Event und Kommunikationsknotenpunkt, denn Erfahrungs- und Gedankenaustausch sind wichtig, sowohl der Aussteller untereinander als auch zwischen Besucher und Aussteller. Für die Besucher soll die Messe ein Gesamterlebnis sein, das sie gerne im nächsten Jahr wieder besuchen. Natürlich steht der Verkauf von Kunst im Vordergrund, aber kleine, eigene persönliche Erlebnisse machen den Messebesuch zu einem besonderen Tag.

Von anderen Messen unterscheidet uns ein wichtiges Merkmal: Galerien, Projekträume und Künstler stellen unter einem Messedach gleichberechtigt aus. Das führt zu einer besonders kommunikativen Atmosphäre, die einen höheren Vernetzungsgrad generiert und nachweislich zu einer Vielzahl von Kooperationen und neuen Projekten führt.

Zudem ist die Messe ein aktiver Teilnehmer des Kunstmarktes. Wir beanspruchen ganz bestimmt nicht die Deutungshoheit über die Kunst, müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass wir Einfluss auf den Kunstmarkt ausüben. Z.B. durch die Zulassung oder Ablehnung von Ausstellern und das Hervorheben von bestimmten Positionen. Gerade das Konzept der Messe beeinflusst den Markt, weil wir unseren jungen Protagonisten einen Zugang zum professionellen Kunstmarkt verschaffen, der ihnen sonst verwehrt bliebe. Auch Projekträume oder junge Galerien, wo der Betreiber einen Nebenberuf ausüben muss, um in der Anfangsphase finanziell über die Runden zu kommen, oder Künstler, die ohne Mittler den direkten Zugang zum Markt suchen und alle, die neben den marktgängigen Werken außergewöhnliche Positionen verkaufen möchten, finden auf der KÖLNER LISTE ihr Forum. Wir sind davon überzeugt, dass auch außerhalb des klassischen Galeriebetriebes engagierte Kunstliebhaber fantastische und qualitativ hochwertige Programme entwickeln. Für den Käufer bieten wir eine ungezähmte Vielfalt und einen signifikanten Preisvorteil.

Die KÖLNER LISTE bezeichnet sich als „Entdeckermesse“. Auf welche Entdeckungsreise können Kunstliebhaber und Kunstkenner auf der Messe gehen?
Wir zeigen Kunst aus allen Bereichen: Editionen, Fotografie, Installationen, Malerei, New Media, Skulpturen, Videos, Zeichnungen, etc. – alles natürlich zeitgenössisch. Die häufigste Jahreszahl, die sie auf den Werken entdecken werden ist die 2017.
Das Profil unserer Messe, die auch Künstlerpräsentationen zeigt, unterstreicht diesen Entdeckungscharakter. Das ist Kunstpräsentation „unplugged“ und ohne akademisch-musealen Filter. Die Messe dümpelt nicht im komfortablen Wohlbekannten, Langweiligen dahin, sondern begibt sich vielmehr auf eine abenteuerlustige Wildwasserfahrt. Mit allen Risiken, aber vor allem auch den ganzen Chancen: darauf sollen und können wir uns alle freuen!

Seien Sie herzlich willkommen: Kunstsammler – egal ob jung oder alt, arm oder wohlhabend – ob kunstinteressierte Teenager, Ärzte, Anwälte oder Architekten, die ihre Räumlichkeiten mit Kunst aufladen möchten aber auch institutionelle Kuratoren und Art Scouts. Für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Schauen Sie sich auf der Messe um und finden Sie Ihr neues Lieblingswerk, sei es ein kinetisches Objekt, eine morbide Installation oder klassische Malerei.

Welche Faktoren waren ausschlaggebend für den Umzug in die neue Location, die XPOST Köln? Welche Besonderheiten bietet die Location für Aussteller und Besucher?
Vor drei Jahren haben wir die KÖLNER LISTE gestartet, sind jedes Jahr gewachsen und haben eine neue, größere und innenstadtnahe Location gesucht und in der XPOST gefunden. Sie ist eine wunderbare Kombination aus alt und neu: Der historische Charme des ehemaligen Postbahnhofes trifft auf die moderne Halle ohne störende Pfeiler, lichtdurchflutet mit einer beeindruckenden Deckenhöhe. Der ideale Ort um zeitgenössische Kunst zu präsentieren. Ein wirkliches Raumerlebnis, zu dem wir alle Kunstinteressierten herzlich einladen.

Die KÖLNER LISTE geht im nächsten Jahr bereits in die vierte Ausgabe. Wie hat sich die Messe im Laufe der Jahre verändert

Als reine Galeriemesse gestartet, stellen jetzt auch Künstler und Projekträume auf der KÖLNER LISTE aus. Wir sind jedes Jahr gewachsen. Sowohl bei der Anzahl der Aussteller, als auch bei der Anzahl der Besucher. Wir hoffen, in diesem Jahr über 10.000 Besucher begrüßen zu dürfen. Diese Zahl war vor drei Jahren noch undenkbar.

Um die aktuellen Entwicklungen des Kunstmarktes widerzuspiegeln, haben wir im vorletzten Jahr die Photography Section ins Leben gerufen und im letzten Jahr die Urban Art Section gestartet. Was gleich geblieben ist: Unser Anspruch, ein breites Angebot an außergewöhnlicher zeitgenössischer Kunst zu günstigen Preisen einem breiten Publikum präsentieren.

Mit dem Umzug der Art.Fair nach Düsseldorf ist die KÖLNER LISTE die einzige Alternativmesse zur etablierten Art Cologne. Warum haltet Ihr diese Ergänzung für wichtig?
Auf der Art Cologne sieht man das Bewährte. Bis ins einzelne Bild durchkuratiert, findet sich dort marktgängige Handelsware im oberen Preissegment. Experimente oder Neuentdeckungen halten sich in Grenzen. Was durchaus nachvollziehbar ist, da das finanzielle Risiko auf der Art Cologne auszustellen, deutlich höher ist als bei uns. Natürlich zeigen wir auch etablierte Positionen, aber unser Schwerpunkt liegt auf junger, frischer, erschwinglicher Kunst, z.B. für junge Sammler ohne riesigen finanziellen Background. Das Experimentelle, die Vielfalt ist auf der KÖLNER LISTE deutlich größer. Neben Galerien und Projekträumen bieten auch Künstler direkt ihre Arbeiten an. Die günstigen Preise und der lebendige Austausch zwischen Ausstellern und Besuchern kennzeichnen die Messe. Kunst soll nicht zur Spekulationsware verkommen. Insofern sind wir nicht nur von dem Preissegment sondern auch von kommunikativen Messeatmosphäre eine sinnvolle Ergänzung zur Art Cologne, oder wie ein Kunstmagazin es formulierte: „Wenn es die KÖLNER LISTE nicht gäbe, dann müsste man sie erfinden.“

Wie empfindet Ihr den Rückhalt aus der Stadt?

Der Zuspruch der Kölner Bevölkerung freut uns sehr: Lehrer, die mit ihren Klassen den Unterricht auf die Messe verlegen, begeisterte Besucher, die ihre Freunde einladen und ein zweites Mal vorbei kommen und Besucher, die uns seit dem erstem Mal die Treue halten. Und was uns auch freut: Die Kölner kaufen fleißig. Leider erfahren wir von offizieller Seite bisher keinerlei Unterstützung. Das betrübt uns sehr, denn unser Vorhaben, (junge) Kunst wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken, sollte von Politik und Stadtverwaltung aktiv unterstütz werden.

Wie helft Ihr gerade weniger erfahrenen Ausstellern sich auf dem Kunstmarkt zu etablieren?

Wir leisten jede Form von Unterstützung und machen unsere unerfahrenen Ausstellern mit den Mechanismen des Kunstmarktes vertraut. Das fängt bei Hinweisen zu einer guten Hängung an, geht über Vertragsvorlagen, Unterstützung bei Zollformalitäten, einem Seminar zur Selbstvermarktung bis hin zu einem Coaching damit die Aussteller erfolgreich verkaufen und die anstrengenden Messetage heil überstehen. Wir sind über den ganzen Prozess, angefangen bei der kostenfreien Bewerbung, über Katalogdruck bis hin zum Abbau in engem Kontakt zu unseren Ausstellern und helfen gerne, wenn es mal irgendwo klemmt.

Wie sieht das Publikum auf der KÖLNER LISTE aus? Welche Zielgruppen sprecht Ihr gezielt an?

Neben dem klassischen Kunstpublikum der Art Cologne – die u.a. durch unseren Shuttle Service angefahren wird – erschließen wir neue Zielgruppen für zeitgenössische Kunst. Das passiert durch aktive Einbindung von (Berufs-)Verbänden, kulturellen Multiplikatoren und eine direkte Ansprache in den entsprechenden Medien. Der größte Etat in unserem Budget ist der Marketingetat. Damit die Sammelleidenschaft nicht nur den älteren Semestern vorbehalten bleibt, suchen wir den Kontakt zu Hochschulen, Schulen und Universitäten. Übrigens erhalten alle Schüler und Studenten am Freitag freien Eintritt. Wir haben einen lebendigen Mix durch alle Altersschichten. So findet man den jungen Hipster aus dem Belgischen Viertel, den gestandenen Anwalt, der noch ein Bild für seine Büro sucht, ebenso wie den etablierten Sammler, den die Neugier von der Art Cologne in die XPOST getrieben hat.

Wie kann man der breiten Bevölkerung zeitgenössische Kunst nahebringen? Wie lassen sich Hemmschwellen vor dem ersten Kunstkauf überwinden?
Kunst ist in all ihrer Vielfalt faszinierend. Wir haben die Aufgabe, diese Vielfalt einem breiten Publikum nahezubringen. In vielen etablierten Kunstinstitutionen wird ein eher elitärer Kunstbegriff zelebriert. Museen tun sich zum Teil schwer, ihre Sammlungen nach modernen pädagogischen Gesichtspunkten aufzubereiten und sie medial so zu präsentieren, dass sie den aktuellen Rezeptions- und Mediengewohnheiten angepasst sind.

Wir haben keine Hemmschwellen auf unserer Messe. Die Aussteller und uns verbindet die Freude an der Kunst und wir teilen sie gerne mit jedem der uns besucht. Wir sind in einem gemäßigten Preissegment unterwegs. Auch mit kleinem Geldbeutel kann man bei uns tolle Unikate erwerben. Vertrauen sie Ihrem eigenen Urteil und kaufen Sie das, was Ihnen gefällt. Der tägliche Genuss an dem Werk ist doch Rendite genug.

Was kann Kunst gerade in schwierigen Zeiten von gesellschaftspolitischen Krisen bewirken?

Wie steht es in Kreuzberg auf einer Häuserwand: Die Grenzen verlaufen nicht zwischen Völkern sondern zwischen oben und unten. Wie wahr. Ja, in Zeiten zunehmender Hegemonialbestrebungen und gravierender gesellschaftlicher Umwälzungen ist ein interkultureller Austausch ein möglicher Kontrapunkt. Menschen, die sich mit Kunst beschäftigen und neugierig auf andere Kulturen bleiben, lassen sich nicht vor einen agitatorischen Karren spannen und besitzen in dieser sich schnell wandelnden Welt eine höhere Ambiguitätstoleranz. In einer Zeit wo weder Religion, noch Politik oder Philosophie verbindliche Antworten geben, kann möglicherweise die Kunst Antworten liefern.

Wir erleben gerade eine Globalisierung und Demokratisierung des Kunstmarktes. Wie spiegelt die Messe diese Entwicklung wieder?
Ja, das sind tatsächlich Megatrends. Zum einen schlägt sich das in der Internationalität unserer Aussteller wieder. Auf der letzten BERLINER LISTE war jeder zweite Aussteller nicht aus Deutschland. Aber auch die Struktur unserer Aussteller verändert sich. Neben klassischen Galerien stellen auch Projekträume und Künstler bei uns aus. Das steigende Marketing-Know-How der Künstler und die digitalen Vermarktungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass die Galerien nicht mehr die einzigen Gatekeeper des Kunstmarktes sind. Wobei man ihre Funktion nicht unterschätzen darf. Die Vermarktung von Kunst ist eine sensible und komplexe Herausforderung. Die Produktion von Kunst ist der erste Teil des Weges, der Verkauf ist der zweite Teil des Weges für das Kunstwerk vom Atelier bis zum Sammler nach Hause.

Braucht es in Zeiten der Digitalisierung überhaupt noch Kunstmessen? Anders gesagt, kann eine digitale Plattform den Messebesuch ersetzen?
Die KÖLNER und die BERLINER LISTE verstehen sich als Entdeckermessen mit explorativem Charakter und real existierendem Publikum – virtuelle Räume sind dafür nur begrenzt geeignet. Den Geruch von Ölfarbe, die Haptik einer Skulptur lassen sich noch nicht digital übersetzen. Allerdings sind die Online-Galerie und die weltweite Online-Präsenz sinnvolle Ergänzungen zur Messe. Das persönliche Treffen auf der Messe wird durch die Digitalmedien flankiert und trägt maßgeblich zu dem Messeerfolg bei. Digitale Vor- und Nachbereitung der Messepräsenz sind integrale Bestandteile des Live-Erlebnisses.

Abschließend: Mit welchen drei Begriffen würdest du den Charakter der Messe umschreiben?

Frisch, zeitgenössisch – und ehrlich.