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Mythologie und Politik über die Kunst erschließen • Interview mit Henriette Simon

Henriette Simon ist eine in Berlin geborene Künstlerin. Ihre freie Malerei beschäftigt sich sowohl mit mythologischen und als auch politisch aktuellen Themen. Formfindung und Bildaussage stehen in ihren Arbeiten in Korrespondenz zueinander und schaffen in ihren Materialbildern eine nacherlebte Wirklichkeit.

Henriette, erzähle bitte allen, die dich nicht kennen, etwas über deine Kunst. Welche Art von Malerei machst du, was sind die Hauptthemen, die du abdeckst und wo findest du deine Inspiration?

Henriette Simon: Der Quell meiner Inspiration sind u.a. Mythen und Legenden, Phantasie und Sciencefiction, die Wurzeln von Sinn und Unsinn. Motive finde ich meist in der Natur, z.B. in den Brüchen der Birkenrinde. Die Vorstellung, wie lange dieser oder jener Baum schon existiert und was er schon alles erlebt und gesehen hat, regen meine Phantasie ungemein an. Auch in der Struktur von Gebirgen findet man viele Fratzen und Gesichter, die durch Erosion über Jahrtausende geschaffen wurden. Gleich der Rauheit meiner Motive in ihrer Oberflächenstruktur, geht es bei meiner Arbeit darum dieses Gefühl greifbar zu machen. Rau und brüchig mit allen Ecken und Kanten, so wie auch wir sind und unsere Welt. Betrachtet man z.B. meine letzte Arbeit „WALKING ON EARTH“, die inhaltlich der momentanen politischen Situation geschuldet ist; überall Krieg, Raubbau, Naturkatastrophen, Flüchtlingsströme. Die Erde brennt. Positiv gesehen, kann es auch der Sonnenuntergang sein oder das Meer, das sich teilt, um den Verfolgten, Gejagten Durchlass zu gewähren in eine bessere Zukunft. Also Hoffnung. Die Rauheit der Situation findet in der Rauheit der Materialien ihre Entsprechung. Acrylbinder, Sand gemischt mit Pigmenten, verrottendes Eisen gepaart mit leuchtendem Kupfer. Außerdem Arbeiten mit Materialbildern, denn es ist mir wichtig, die Phantasie des Betrachters anzuregen. Darum gebe ich den meisten Bildern abstrakte Namen, um den Betrachter nicht auf eine bestimmte Sichtweise festzulegen.

Wer hat dich in deinem künstlerischen Schaffen von den bekannten Künstlern am meisten beeinflusst?

HS: Es war nicht nur einer, sondern mehrere. Natürlich Pollock und De Kooning, aber auch Baziotes und Schumacher.

Dein Werdegang ist reich an internationalen Referenzen, so hast Du Schulen in den USA besucht und in Japan, Italien und New York ausgestellt. Wenn du die Kunstszene in Asien, Amerika und Europa vergleichst, was sind für dich die Gemeinsamkeiten bzw. wo liegen deiner Meinung nach die Unterschiede?

HS: Allen gemeinsam ist, dass Stagnation von Politik und Wirtschaft auch Stagnation in Kunst und Kultur hervorruft. Nehmen wir z.B. die Zeit des Faschismus, nicht nur für Europas Kunst das absolute Desaster. Durch die Destruktion Europas konnte Amerikas Kunst ihre eigene künstlerische Sprache finden. Nun ist Asien im Aufbau, will politisch, wirtschaftlich und kulturell am Tisch der „Großen“ mitmischen. Von Regierungsseite strategisch geplant und aufgebaut, sollen z. B. die Gillman Baracks in Singapur der neue Ort für zeitgenössische Kunst in Asien werden. Um das zu erreichen werden Künstler protegiert, ihnen wird der politische Maulkorb abgenommen und jegliche Freiheit zugestanden, die ansonsten für einheimische Journalisten und Systemkritiker zur Todesstrafe geführt hätten. Diese neue Möglichkeit ist der Nährboden für neue Ideen.

Dieses Jahr nimmst du zum dritten Mal an der Berliner Liste teil. Wie sind deine Erfahrungen an in der Vergangenheit gewesen? Was hat dich dazu bewogen wieder zu kommen?

HS: Eine Messe ist Werbung. Sie soll neue Geschäftspartner und Kontakte bringen und natürlich die schon bestehenden Kontakte auffrischen und vertiefen. Auf den vergangenen Messen habe ich tolle Kollegen kennengelernt, Freundschaften geschlossen und internationale Ausstellungsmöglichkeiten eruiert.

Was sind deine Ziele und Erwartungen in Bezug auf die anstehende Messe? Wirst du ausschließlich neue Arbeiten ausstellen?

HS: Leider habe ich mir den Ellenbogen gebrochen und muss umdisponieren. Es wird dadurch eine Kombination von neuen und älteren Arbeiten sein.

Viele aufstrebende Künstler nehmen an der Berliner Liste 2016 teil. Du bist inzwischen eine international anerkannte Malerin. Welchen Rat kannst du jungen Künstlern mit auf den Weg geben, um einen Platz an der Sonne zu finden?

HS: Mit Freunde an die Dinge herangehen und offen sein für das, was das kommen mag.