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Wertvolle Tipps zum Sammeln von Kunstfotografie

Seit Jahrzehnten begeistert die Vielfalt der Fotografie Künstler und Kunstliebhaber. Es reizt ihr Ansehen, aber auch der demokratische Ansatz und ihre wundervollen künstlerischen Eigenheiten. Da die ersten Ankäufe von Fotografie noch mit der Stellung der Elite im 19. Jahrhunderts verbunden waren, kann man mit Sicherheit sagen, dass das Sammeln von Kunstfotografie erst später einsetzte, nachdem das Medium als liebstes Werkzeug der Avantgardisten eine wichtigere Stellung eingenommen hatte. Heutzutage wird Fotografie überall auf der Welt als künstlerisches Medium anerkannt und von unzähligen internationalen Künstlern genutzt. Sammler von Kunstfotografie haben eine Leidenschaft für das Medium des Lichts und bauen ihre Sammlungen sehr sorgsam auf.

Wenn wir über Fotografie sprechen, müssen wir zunächst zwischen Kunstfotografie einerseits und Dokumentarfotografie andererseits unterscheiden. Erstere wird für eine bestimmte künstlerische Vision geschaffen und das fotografische Medium wird nur als ein Mittel für die volle Ausdruckskraft eingesetzt. Dokumentarfotografie hingegen ist deskriptiv und repräsentativ. Sie steht in einer Beziehung zu den visuellen Medien, da sie eine visuelle Aufzeichnung bestimmter Personen oder Ereignisse darstellt. Insofern ist sie eher auf den Moment oder ein Objekt konzentriert als auf ein vorher definiertes künstlerisches Ziel. Beide Formen sind respektable Formen der Fotografie, die es zu sammeln lohnt, doch ihre Ziele sind ebenso verschieden wie ihr Publikum. Kunstfotografie wird vor allem von Kunstliebhabern verehrt und selten als irgendetwas anderes als Kunst verstanden. Die Dokumentarfotografie hingegen spricht auch die breitere Bevölkerung an und wird manchmal als die beste Form verstanden, entscheidende geschichtliche Momente einzufangen und zu bewahren.

Auch wenn wir die ältere Fotografie für ihren klassischen Charm und ihren historischen Wert schätzen, werden im Fokus dieses Textes die zeitgenössische Kunstfotografie und ihre Sammelmöglichkeiten stehen. Die Kunst der Linse kann betörend und inspirierend sein, deshalb haben wir hier einige Punkte aufgeführt, die es zu Bedenken gibt, bevor man sein erstes, oder ein weiteres, Fotografie-Kunstwerk kauft.

Evgeniya Petrova – Sailboat, 2015, Photo print on canvas

Das Technische

Fotografie ist ein vielseitiges Medium, das ebenso viele Techniken einschließt. Einige sind geradezu antik und werden heutzutage kaum noch genutzt, andere sind absolut Hi-Tech. Ein ernsthafter Sammler sollte mit den meisten vertraut sein. Es hilft sich ein wenig mit den verschiedenen Linsen- und Kameratypen auszukennen, mit verschiedenen Techniken und Bildschärfen, Print- und Papiertypen, Filmen und anderen technischen Begriffen. Dies ermöglicht ein Verständnis der künstlerischen Methode und erlaubt eine erste Einschätzung, ob ein Fotograf zukünftig erfolgreich sein kann oder nicht. Außerdem behandelt der Markt unterschiedliche Printformen nicht gleich, sodass technisches Wissen dabei hilft zu erkennen, ob ein Preis auch in Bezug auf den Status des Künstlers angemessen ist.

Ebenso sollte man den materiellen Zustand des Drucks in Betracht ziehen. Beim direkten Kauf von Künstler oder Galeristen sollte dies kein Problem darstellen, doch es könnte eins sein bei Kauf von Werken aus zweiter Hand. Der Zustand kann sich negativ auf den Wert auswirken, selbst wenn das Foto Teil einer seltenen Serie ist. Um ein Foto in seiner ursprünglichen Qualität zu erhalten, sollte der Ort bedacht werden, an dem es hängen wird. Fotos sollten niemals direktem Sonnenlicht oder Feuchtigkeit ausgesetzt werden und die Rahmen benötigen museums-ähnliches Glas oder UV-reflektierendem Plexiglas.

Abschließend muss die Größe des Abzugs bedacht werden. Zeitgenössische Fotografen produzieren ihre Werke oftmals in unterschiedlichen Größen und sind bereit ihre Werke den Kundenwünschen anzupassen. Sollte es nur eine Abzugsgröße geben, denken Sie darüber nach, wie die Größe des Werks auf den Ort, an dem es aufgehängt wird, wirken wird. Am besten betrachtet man das Werk in der gewünschten Größe vor Ort und trifft dann eine Entscheidung über den Kauf.

Helge Paulsen – Sweet Death

Entwickeln Sie einen Geschmack

Glücklicherweise kennt die zeitgenössische Kunst keine Hierarchie der Genres und Medien. Deshalb ist das Sammeln von Fotografie sehr ähnlich zu jedweder Kunstsammlung: Fotoprints zu sammeln unterscheidet sich kaum Sammlungen neuer Malereien oder Zeichnungen, auch wenn es einige Besonderheiten gibt.

Am wichtigsten für einen jungen Sammler von Fotografie ist es zunächst, einen eigenen Geschmack zu entwickeln und unter der Vielzahl von Ausdrucksformen den bevorzugten Stil zu finden. Wie immer gilt, dass der eigene Blick durch das Betrachten und Dazulernen trainiert wird und während sich das Wissen erweitert, wird der Fokus enger und klarer. Zusätzlich zu konventionellen Lernmethoden bieten die sozialen Medien eine ausgezeichnete Informationsquelle für die neuesten Trends in der zeitgenössischen Kunstfotografie. Mit nur einem Klick folgt man Kuratoren, Magazinen, Redakteuren und Künstlern.

Nachdem die Beobachtungsgabe geschärft wurde, auch wenn das ein niemals endender Prozess ist, ist es Zeit die Sammlung zu planen. Suchen Sie nach ähnlichen Künstlern, nach Bildern die ihren Lieblingsfotos entsprechen und bauen Sie nach und nach das Grundgerüst ihrer Sammlung.

Hören Sie nie damit auf, Fragen in Bezug auf Fotografen und ihre Bilder zu stellen und untersuchen Sie die Kontinuität ihres Stils. Mit der Zeit werden Sie bemerken, ob sie repräsentative, darstellende, suggestive, abstrakte oder avantgardistische Fotografie bevorzugen und ihr Sammlungskonzept wird eine konkrete Form annehmen.

Mujaheda Khowajazada – After Several Forgetfullness, 2014-2016, Digital print

Fotografische Bildpaläste

Auch wenn es auf den ersten Blick leicht zu sein scheint, erfordert das Studium der Fotografie einen beträchtlichen Aufwand. Für jeden wahren Fotografie-Enthusiasten ist dies eine Arbeit aus Leidenschaft, mehr eine belohnende Aufgabe denn eine fordernde. Da man sein Auge am besten trainiert, indem man eine große Zahl unterschiedlicher fotografischer Werke betrachtet, ist es ratsam so viele Fotografie-Sammlungen und Ausstellungen wie möglich zu besuchen. Alle größeren Museen und Archive besitzen eine Fotografie Abteilung und stellen ihre Werke regelmäßig aus.

Berühmte Sammler, wie z.B. Elton John, leihen ihre fotografischen Schätze teils großen Institutionen für Ausstellungen, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Einige Galerien sind auf Fotografie spezialisiert, aber Fotografie Messen sind wohl der beste Ort, um mit dem Sammeln zu beginnen. Die Kunstmessen ermöglichen es, ein breites Spektrum von Werken auszustellen und bieten außerdem die Gelegenheit, die Fotografen selbst zu treffen und mit ihnen über ihre Arbeiten zu sprechen.

Henry Landers – from Mannigfaltigkeit series

Zeitgenössische Kunstfotografie auf der BERLINER LISTE 2017

Auch dieses Jahr gibt es auf der BERLINER LISTE 2017 eine Photography Section, die Einblicke in die Vielseitigkeit der zeitgenössischen Kunstfotografie erlaubt. Die ausstellenden Fotografeninnen und Fotografen haben unterschiedliche Hintergründe und Arbeitsmethoden. Einige von ihnen arbeiten innerhalb der Tradition eines narrativen Grundgerüsts, und manche produzieren Werke, die sich bei Sammlern äußerster Beliebtheit erfreuen.

So erschafft Evgeniya Petrova Szenen und Situation innerhalb verschiedener Landschaften, deren Geschichte man instinktiv irgendwo außerhalb des Bildrahmens vermutet. Die afghanische Fotografin Mujaheda Khowajazeda konzentriert sich auf Frauen und die Geschichte ihres Heimatlandes, und gibt damit den unzähligen Geschichten aus dem kriegszerrütteten Land eine Stimme. Henry Landers aus Berlin wird mit seinem „transitorischen Realismus“ neue Perspektiven für die Fotografie eröffnen und sein umfangreiches Wissen über analoge Fotografie unter Beweis stellen. Helge Paulsen aus Hannover verbindet in seinem interessanten Ansatz Fotografie mit Schreiben und erschafft imaginierte Szenen seines Geistes. Natalia Ohar erforscht die Welten der Fabeln und Erzählungen, indem sie diese in einem neuen Kontext präsentiert, uns dazu anregt diese Welten zu betreten und die Narrative aus unserer Perspektive zu hinterfragen. Der Berliner Künstler und Fotograf Götz Füsser untersucht die Bedeutung von Technik in der Fotografie und der Kunst, und Andrey Kezzyn ist der Berliner Öffentlichkeit bereits als fantastischer Geschichtenerzähler und Gesellschaftskritiker bekannt.

Egal ob sie eine Geschichte erzählen oder Emotionen auslösen, diese Fotografinnen und Fotografen sind Meister ihrer Kunst, die das Licht als ihr wahres Instrument nutzen. Wie in der Vergangenheit lädt die BERLINER LISTE 2017 auch dieses Jahr im September dazu ein, vorbeizuschauen und die fabelhafte Welt der zeitgenössischen Kunstfotografie zu entdecken.

Featured image: Götz Füsser – Bei Pfeiffers, 2017, Archival C Print