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Große Kunst für unter 1.000 Euro

Philipp Liehr - Explorer on a Mission (2025)

In unsicheren Zeiten setzt oft ein ganz spezieller Reflex ein. Der Impuls, keine Kunst mehr zu kaufen. Zu warten, bis sich alles beruhigt hat, bis die eigenen Finanzen wieder mehr Gelassenheit erlauben, bis ein vermeintlich besserer Moment gekommen ist. Ich verstehe das. Und ich glaube zugleich, dass es sich lohnt, diesem Impuls zu widerstehen. Denn die Werke, die auf der Discovery Art Fair Cologne 2026 für unter tausend Euro erhältlich sind, sind keine Trostpreise, sondern echte Entdeckungen. Geschaffen von Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeiten unabhängig von der wirtschaftlichen Lage Aufmerksamkeit und Raum verdienen.

Was man 2026 für 1.000 Euro erwerben kann

Zum Beispiel die Foto-Edition eines britischen Künstlers mit internationalen Renommee. Eine handgeschnitzte Holzskulptur. Eine belgische Radierung für deutlich unter 500 Euro. Diese Werke finden sich an einigen der spannendsten Stände der DAF und spiegeln die Grundidee der Messe wider: Kunst ist für alle da.

Astrid Probst

Astrid Probst

Kleine Gemälde

Besonders ins Auge fällt in dieser Preisklasse Astrid Probsts Werk „Zitronen“ (2025), ein kleines Ölgemälde auf Leinwand im Format 30 × 24 cm, erhältlich als Unikat für 680 Euro am Stand B1 der Galerie Grevy. Drei Zitronen vor nahezu schwarzem Hintergrund. Das klingt nach einem einfachen Stillleben, beinahe klassisch, und genau das ist es auch. Doch die Art, wie Probst das Licht auf der Schale der Früchte einfängt, ist so präzise und zugleich so zurückhaltend souverän, dass man unweigerlich stehen bleibt. Die Galerie zeigt außerdem eine bemerkenswerte Auswahl kleinerer Stillleben, viele davon ebenfalls im erschwinglichen Bereich.

Wer sich eher zur Abstraktion hingezogen fühlt, findet bei Babette Hintz am Stand E14 kleinformatige Ölarbeiten auf Papier, jeweils gerahmt für 350 Euro. Reduziert, fein und kontemplativ, lassen sie sich mühelos in unterschiedliche Wohnräume integrieren.

Babette Hintz

Babette Hintz

Fotografie und Druckgrafik

Joseph Ford (Stand A10) zeigt eine Auswahl seiner bekannten Arbeiten, darunter Motive mit Monsieur Chat oder dem Mann im roten Pullover. Es handelt sich um Pigmentdrucke im Format 48 × 33 cm aus einer Auflage von 100 Exemplaren, zum Preis von 475 Euro. Ford lässt seine Figuren in einen spielerischen, präzisen Dialog mit Street-Art treten. Seine Arbeiten verbinden die Leichtigkeit einer guten visuellen Pointe mit der handwerklichen Qualität ernsthafter Fotografie.

Joseph Ford

Joseph Ford

Rolf Roew am Stand B11 arbeitet in einer atmosphärisch dichteren Bildsprache. Seine London-Serie, geprägt von urbanen Szenen mit leuchtenden roten Neonakzenten, ist im Format 41 × 27 cm bereits ab 330 Euro erhältlich. In seinen Arbeiten schwingt eine Stimmung mit, die an Edward Hopper erinnert und die Grenzen der Fotografie transzendiert. Wer auf der Suche nach einer europäisch-urbanen Landschaft mit einem Hauch von „Americana“-Ästhetik ist, wird hier fündig werden.

Rolf Roew

Rolf Roew

Ebenfalls empfehlenswert ist ein Besuch bei der Kalkman Gallery am Stand E1. Arbeiten von Hayden Kays und Jase Powell gehören zu den interessantesten Positionen im Bereich Urban Art auf der Messe. Pointiert, textbasiert und mit hohem Wiedererkennungswert bieten sie großes Potenzial für Sammlerinnen und Sammler mit einem Gespür für diese Bildsprache.

Kalkman Galerie

Kalkman Gallery

Skulpturen und Editionen

Käpten Nobbis „Tiny trash“ (2026), Teil einer Serie kleiner Assemblagen unter Glasglocke, ist für 250 Euro am Stand E2 von art42 erhältlich. Seine Arbeiten lösen zunächst ein Schmunzeln aus und hinterlassen dann ein leises Unbehagen, genau das, was gute Objekte leisten können.

Kapten Nobbi

Kapten Nobbi

Aus dem belgischen Gingelom bringt Jef Bertels (Stand D14) seine Radierungen zur Messe. Zeitgenössische Radierung ist selten geworden, und Bertels’ detailreiche, fantastische Bildwelten entfalten ihre Wirkung besonders im genauen Hinsehen.

Jef Bertels etching

Jef Bertels etching

Für Liebhaber spielerischer Objekte ist Philipp Liehrs „Explorer on a Mission“ (2025) eine Entdeckung. Die Miniaturskulptur aus Lindenholz und Acryl ist für 800 Euro über die Galerie Klose am Stand D2 erhältlich. Sie zeigt eine kleine Astronautenfigur und erzählt leise von Einsamkeit und Zielstrebigkeit.

Andrea Wycisk

Andrea Wycisk

Die Silent Auction

Und versäumen Sie nicht die Gelegenheiten, die sich dieses Jahr bei der Silent Auction bieten. Mein persönlicher Favorit ist Andrea Wycisks „Take a run“ (2021) mit Charlie Brown, Bleistift und Mixed Media auf abgezogenen Plakatschichten einer Kölner Litfaßsäule. Das Werk misst 43 × 30 × 4 cm und das Startgebot liegt bei 0 Euro.

Es ist nur eines von rund 80 Werken in der Silent Auction, die auf ihre Weise vielleicht am ehrlichsten zeigt, worum es beim Sammeln geht: Intuition, Überzeugung und die Bereitschaft, ein Wagnis einzugehen für etwas, das einen wirklich anspricht.

Erleben Sie es selbst auf der Discovery Art Fair Cologne in der XPOST Köln vom 24. bis 26. April 2026.