{"id":5184,"date":"2016-07-12T09:49:50","date_gmt":"2016-07-12T09:49:50","guid":{"rendered":"http:\/\/discoveryartfair.com\/de\/?p=5184"},"modified":"2017-07-09T14:28:51","modified_gmt":"2017-07-09T14:28:51","slug":"interview-berliner-liste-aussteller-edvardas-racevicius","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/discoveryartfair.com\/de\/interview-berliner-liste-aussteller-edvardas-racevicius\/","title":{"rendered":"Interview mit dem Berliner Liste Aussteller Edvardas Racevicius \u00b7 Zwischen Ostlichen und Westlichen Tradition"},"content":{"rendered":"<p><strong>Edvardas Racevi\u010dius<\/strong>, der 1974 in Litauen geboren wurde, war lange Zeit von der traditionellen Ikonendarstellung Litauens fasziniert. Diese Darstellungen konnte er bei seinem Besuch eines Priesterseminars und w\u00e4hrend des Studiums der Theologie und Sozialp\u00e4dagogik an der P\u00e4dagogischen Universit\u00e4t Vilnius weiter studieren. Inzwischen lebt er seit 14 Jahren in Deutschland und hat sich viel mit der westlichen Bildhauerkunst auseinandergesetzt. Seine Werke scheinen oft eine Br\u00fccke zwischen Ost und West zu bilden. Das Material seiner Wahl ist Holz und das bearbeitet er auf seine ganz eigent\u00fcmliche Weise. Der Sockel scheint direkt mit der Figur verwachsen zu sein und das Holz bleibt als Material stets sichtbar. Mal mit der Kettens\u00e4ge eher brachial oder kontrolliert mit der Hand, bearbeitet Racevicius seine Skulpturen und besch\u00e4ftigt sich mit dem philosophischen Verh\u00e4ltnis von Mensch und Natur. Im nachfolgenden Interview sprechen wir mit dem K\u00fcnstler \u00fcber sein deutsch-litauisches Verh\u00e4ltnis, seine k\u00fcnstlerischen Themen und seine mehrmalige Teilname an der Berliner Liste.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es dazu, dass Sie sich als junger K\u00fcnstler f\u00fcr ein Leben in Greifswald entschieden haben und nicht etwa in eine der bekannten Metropolen gezogen sind?<\/strong><\/p>\n<p><em>Edvardas Racevicius: Ich wohne seit 2002 mit meiner Familie in Greifswald. Der Grund warum wir hierher gezogen sind liegt bei meiner Frau. Als sie ihr Studium abgeschlossen hat, sind wir hier geblieben, weil uns das Leben in der kleinen Universit\u00e4tsstadt gefallen hat. Die Landschaft \u00e4hnelt der in Litauen und die Menschen sind nett. Das sind gute Bedingungen f\u00fcr einen Ort, um dort zu arbeiten.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ihre k\u00fcnstlerische Praxis scheint immer wieder inspiriert von Austausch zwischen ihrem Litauischen Ursprung und Ihrer neuen Heimat in Deutschland zu sein. Wie sehen Sie diese Beziehung?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: Meine ersten Skulpturen  waren von der alten litauischen Volksskulptur inspiriert. Mich hat die einfache Formensprache und der Geist den diese Skulpturen ausstrahlen fasziniert. In dieser Richtung habe ich 10 Jahre in Litauen gearbeitet. Sp\u00e4ter in Deutschland habe ich dann beobachtet, dass K\u00fcnstler hier anderes mit Holz umgehen. Die K\u00fcnstler nutzen hier andere Werkzeuge, benutzen Farbe, arbeiten konzeptuell. Ich habe schlie\u00dflich angefangen zu experimentieren, erst mit abstrakten Skulpturen, sp\u00e4ter mit figurativen. Es kann sein, dass man aber den Geist der alten Litauischen Skulpturen teilweise noch in meinen aktuellen Arbeiten erkennen kann.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ihrer Biographie ist zu entnehmen, dass Sie erst das Priesterseminar besucht haben und sich dann f\u00fcr die Kunst entschieden. Wie kam diese Entscheidung und \u00fcberschneiden sich diese beiden unterschiedlichen Welten in Ihren Arbeiten?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: Nach dem Abitur bin ich in ein Priesterseminar eingetreten. Das war f\u00fcr viele Leute aus meinem Umfeld eine \u00dcberraschung. Nach zehn Jahren auf  einem Kunstgymnasium w\u00e4re der logische Weg eigentlich direkt auf die Kunstakademie zu gehen. Aber ich habe gedacht: Kunst ist zu wenig, ich wollte Priester werden und die Welt verbessern. Als junger Mensch habe ich den Sinn in meinem Leben gesucht. Nach drei Jahren habe ich das Priesterseminar verlassen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Als Bildhauer haben Sie sich f\u00fcr die Arbeit mit Holz entschieden, das kunsthistorisch eine lange Tradition hat. Was reizt Sie an dem Material?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: Mit 17 Jahren habe ich meine erste Holzskulptur gemacht, aus Eichenholz mit der Axt bei dem Bildhauer Vilius Orvydas. Das war ein tolles Erlebnis, es war v\u00f6llig anders als mit Ton, Gips oder Stein zu arbeiten. Das Holz hat mich sofort verzaubert. Sp\u00e4ter habe ich weiter viel mit Holz gearbeitet.<\/em><\/p>\n<p><strong>In Ihren Werken spielt der Mensch, in einigen Werken l\u00f6st sich die Figur ins Abstrakte auf, eine wesentliche Rolle. Insbesondere ihre sehr bekannte Serie B\u00e4ume und Menschen f\u00e4llt dabei auf. Welche Themen interessieren Sie bei der Darstellung von Menschen?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: In der Serie \u201eMenschen und B\u00e4ume\u201c sind die Figuren aus einem St\u00fcck Holz gearbeitet und stehen oft in Verbindung mit den \u00fcbrig gelassenen \u00c4sten oder den gespaltenen abstrakten Formen. F\u00fcr mich ist es sehr wichtig das Holz als Material zu zeigen. Ich binde nat\u00fcrliche Holzelemente mit der menschlichen Figur. Der Abstraktionsgrad der Figur wird auch auf die \u00c4ste, Holzteile mit Rinde, aufgerissenen Holzmaserung \u00fcbertragen wodurch interessante Effekte entstehen. Grob gesagt, mein Thema ist: wo h\u00f6rt Holz auf und wo f\u00e4ngt der Mensch an. Wo ist die Grenze zwischen dem \u201eich\u201c und der Welt. Mich besch\u00e4ftigt die Frage: wer bin ich? Sie ist zu meinem Leitthema geworden.<\/em><\/p>\n<p><strong>Sie sind ein treuer Teilnehmer der BERLINER LISTE. Was bedeutet f\u00fcr Sie die Messeteilnahme und was macht die Messe f\u00fcr Sie so besonders?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: Ich habe 2013 zum ersten Mal meine Skulpturen auf der Berliner Liste gezeigt. Das war damals ein sehr gro\u00dfer Erfolg f\u00fcr mich. Viele Besucher haben meine Skulpturen bewundert und ich konnte erste Kontakte mit Galerien und Kunstsammlern kn\u00fcpfen. Es war eine neue Erfahrung f\u00fcr mich meine Arbeiten vor einem so gro\u00dfen Publikum zu pr\u00e4sentieren und zu merken wie meine Kunst auf Menschen wirkt.  Es war eine sehr ermutigende Erfahrung.<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie aus Ihrer Erfahrung eine Entwicklung der Messe beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: Ich habe zwar bereits drei Mal an der Berliner Liste teilgenommen, aber das ist dennoch zu kurz um \u00fcber eine Entwicklung sprechen zu k\u00f6nnen. Ich mag bei der Berliner Liste,  dass diese Kunstmesse sehr offen und gut besucht ist.Dort k\u00f6nnen noch unbekannte K\u00fcnstler ihre Werke einem kunstinteressierten Publikum zeigen. Ich denke, dass Kunst mit Inhalt, die auch professionell gearbeitet ist dort Erfolg haben wird.<\/em><\/p>\n<p><strong>An welchen Themen oder Figuren arbeiten Sie derzeit? Werden Sie etwas daraus auf die Messe mitnehmen?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: Ich bin noch auf der Suche nach meinem \u201eich\u201c und versuche weiter mit Holz zu experimentieren und zu spielen. In diesem Jahr habe ich angefangen an Reliefs aus alten Holzbrettern zu arbeiten. In Berlin werde ich vermutlich einige davon zeigen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Welche Veranstaltungen oder Ausstellungen haben Sie in diesem Jahr noch geplant?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: Abgesehen von der Berliner Liste werden meine Skulpturen von Galerien auch auf anderen Kunstmessen gezeigt. z.B. auf der Art the Hague, Scope Miami, YIA Young international Art Fair Paris.<\/em> <\/p>\n<p><strong> Was m\u00f6chten Sie in Ihren k\u00fcnstlerischen Arbeiten noch erreichen? Gibt es Dimensionen oder Materialien mit denen Sie experimentieren m\u00f6chten?<\/strong><\/p>\n<p><em>ER: Ich habe Lust weiter zu experimentieren und neue  M\u00f6glichkeiten zu entdecken,  vielleicht auch neue Konzepte zu entwickeln. Au\u00dferdem will ich weiter mit Holz arbeiten, weil es mir wirklich sehr viel Freude bereitet.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Edvardas Racevi\u010dius, der 1974 in Litauen geboren wurde, war lange Zeit von der traditionellen Ikonendarstellung Litauens fasziniert. Diese Darstellungen konnte er bei seinem Besuch eines Priesterseminars und w\u00e4hrend des Studiums der Theologie und Sozialp\u00e4dagogik an der P\u00e4dagogischen Universit\u00e4t Vilnius weiter studieren. 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