{"id":5085,"date":"2016-07-01T11:26:36","date_gmt":"2016-07-01T11:26:36","guid":{"rendered":"http:\/\/discoveryartfair.com\/de\/?p=5085"},"modified":"2017-07-09T14:29:55","modified_gmt":"2017-07-09T14:29:55","slug":"kuratoren-peter-funken-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/discoveryartfair.com\/de\/kuratoren-peter-funken-interview\/","title":{"rendered":"Interview mit dem Berliner Liste Kuratoren Dr. Peter Funken &#8211; Gen\u00fcgend Raum f\u00fcr Experimente"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. Peter Funken<\/strong>, Kurator der Berliner Liste 2016, ist ein renommierter Kunstjournalist, Autor und Berater. Er studierte an der Kunsthochschule Braunschweig sowie an der RWTH Aachen Kunst- und Baugeschichte sowie Germanistik. In seiner Dissertation setzte er sich mit der Darstellung von technischen und maschinellen Prinzipien in der bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts auseinander. Seit 1984 lebt er in Berlin und kurartierte seitdem  zahlreiche Ausstellungen, z.B.: <em>MaschinenMenschen<\/em>, <em>Flecken in Geschichte und Gegenwart<\/em>, <em>Jetzt l\u00e4cheln&#8230;<\/em>, <em>Wunderkammer<\/em> und <em>Hannah Arendt Denkraum<\/em>. Derzeit kuratiert er die II mkh-Biennale in Halberstadt. Funken arbeitet als Coach, er ber\u00e4t K\u00fcnstler in Hinblick auf Bewerbungen und bei der Textentwicklung. Ebenfalls ist er in Berlin Juror (f\u00fcr Kunst am Bau sowie bei Stipendien). Seit vielen Jahren hat er immer wieder publiziert in internationalen Zeitschriften wie Kunstforum International, Stadt und Gr\u00fcn, L\u2019Image, Artefaktum und Artforum New York.<\/p>\n<p>Seit 2013 arbeitet er best\u00e4ndig f\u00fcr die Kunstmessen Berliner Liste und die K\u00f6lner Liste. Im nachfolgenden Interview spricht Funken \u00fcber seine Wahrnehmung und Einsch\u00e4tzung der heutigen Kunstszenen, den Kunstmarkt und die besonderen M\u00f6glichkeiten der Berliner Liste. <\/p>\n<p><strong>Welche Idee steckt dahinter, die Berliner Liste als Ort der Entdeckung und Initiativen zu positionieren und nicht nur <em>eine Messe f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p><em>Peter Funken: Diese Messe hat in gewisser Weise einen Au\u00dfenseiterstatus, und darum gibt es in Relation zu anderen Messen auch immer wieder die M\u00f6glichkeit, Personen und Dinge zu entdecken, die nicht mehr im fast schon \u00fcberregulierten Kunstmarktgeschehen stattfinden. Die Berliner Liste bietet also f\u00fcr Experimente und f\u00fcr au\u00dfergew\u00f6hnliche Versuche Raum &#8230; das kann auch mal ins Auge gehen, aber insgesamt werden auf dieser Messe Dinge, auch manchmal kuriose Positionen, erm\u00f6glicht, die anderswo kaum eine Stimme haben d\u00fcrfen.<\/em>      <\/p>\n<p><strong>Sie organisieren einen Workshop mit dem Titel <em>Marketing f\u00fcr K\u00fcnstler<\/em>. Ihrer Ansicht nach muss ein K\u00fcnstler neben Kreativit\u00e4t auch ein gutes Gesch\u00e4ftsmodel besitzen, um erfolgreich zu sein. Sie sind der Kurator der Artist Section, in der sowohl etablierte K\u00fcnstler als auch Neulinge ihre Werke pr\u00e4sentieren d\u00fcrfen. Wie k\u00f6nnen diese K\u00fcnstler die Messe nutzen, um Eigenwerbung und Marketing zu betreiben?<\/strong><\/p>\n<p><em>PF: Die Messe bietet den K\u00fcnstlern die gro\u00dfe Chance, sichtbar zu werden \u2013 also in einer interessierten \u00d6ffentlichkeit Profil zu gewinnen, darum geht es in einem ersten Schritt. Dann nat\u00fcrlich auch um Kontakte, um ein Netzwerk, das sich entwickelt, das hei\u00dft, es geht um Kommunikation \u00fcber die eigene Kunst. Junge K\u00fcnstler sollten genau wissen und bewusst steuern, was sie \u00fcber ihre Kunst mitteilen und wie sie \u00fcber sich und ihre Arbeit sprechen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Berliner Liste ist auch ein Ort f\u00fcr erschwingliche Kunst, welches den wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen in der Region und in Europa in den letzten zehn Jahren geschuldet ist. Wie hat sich die Kunstszene w\u00e4hrend dieser Zeit der Rezession ver\u00e4ndert und wie w\u00fcrden Sie diese heute beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p><em>PF: Es ist kaum m\u00f6glich diese Frage kurz zu beantworten. Was auff\u00e4llt ist, dass Kunst und K\u00fcnstler \u2013 genauso wie fast alle Bereiche der Gesellschaft \u2013 in Zeiten des Neo-Liberalismus geh\u00f6rig unter den Druck geraten sind, \u00f6konomisch erfolgreich zu sein. Dies tut der Kunst zum Schluss \u00fcberhaupt nicht gut! Man lese zu diesem Thema die B\u00fccher <em>Geld frisst Kunst \u2013 Kunst frisst Geld<\/em> von Markus Metz und Georg See\u00dflen und <em>Siegerkunst \u2013 Neuer Adel, teure Lust<\/em> von Wolfgang Ullrich.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ihre Doktorarbeit hatte ein interessantes Thema <em>Die Darstellung von technischen und mechanischen Prinzipien der Kunst im 19. und 20. Jahrhundert<\/em>. Wie hat sich die aktuelle Kunstszene mit allen technologischen Fortschritten und der technologischen Revolution ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p><em>PF: Technische Revolution ist nichts unbedingt Neues, aber mit der Entwicklung der elektronischen Medien, mit Computern und digitaler Kommunikation sind f\u00fcr die Kunst neue Ausdrucksformen entstanden, die alle anderen Bereiche der Kunst ebenfalls beeinflusst haben, denn auch sie \u2013 zum Beispiel die Malerei \u2013 findet von nun an zu den Bedingungen der zuletzt entstandenen Bildmedien statt \u2013 darin liegt die wirkliche Bedeutung dieser Entwicklung, dass die unendliche Speicherkapazit\u00e4t der Rechner alle anderen, alten Speicher dominiert und letztlich auch ersetzen kann.<\/em>    <\/p>\n<p><strong>Wie ver\u00e4ndert Kunst die Methoden der Denkweise Ihrer Ansicht nach?<\/strong><\/p>\n<p><em>PF: Das ist eine sehr pers\u00f6nliche Frage, wobei ich feststelle, dass die Kunst weniger <em>Methoden der Denkweise (Reasoning)<\/em> ver\u00e4ndert, als vielmehr die Denkweisen selber, oder besser gesagt die Wahrnehmung (Perception) und die Wahrnehmung der Denkweisen&#8230;<\/em>  <\/p>\n<p><strong>Welche Vorteile hat die Vielfalt von so vielen internationalen Ausstellern auf der Messe?<\/strong><\/p>\n<p><em>PF: Die Diversit\u00e4t ist Ausdruck der M\u00f6glichkeit, sich zumindest im Bereich der Gestaltung auf eine ganz individuelle und pers\u00f6nliche Weise selber zu begegnen und \u00f6ffentlich mitzuteilen&#8230; <\/em> <\/p>\n<p><strong>Die Berliner Liste zeigt Werke zu einem erschwinglichen Preis. Wer sind die K\u00e4ufer, zu wem spricht die Messe am lautesten?<\/strong><\/p>\n<p><em>PF: Zu allen jenen, die Kunst besitzen m\u00f6chten, aber nicht unbedingt auf die Faszination gro\u00dfer, bereits durchgesetzter Namen reagieren  wollen oder k\u00f6nnen, das hei\u00dft, eine Messe wie die Berliner Liste, erm\u00f6glicht die Entdeckung von Kunst, die im Preislimit von zirka 10.000 Euro stattfindet.<\/em>   <\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie uns etwas \u00fcber den Auswahlprozess f\u00fcr die Artist Section erz\u00e4hlen? Welchem kuratorischen Ansatz folgen Sie?<\/strong><\/p>\n<p><em>PF: Letztlich geht es immer darum, Kunst mit Niveau auszustellen. <\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Peter Funken, Kurator der Berliner Liste 2016, ist ein renommierter Kunstjournalist, Autor und Berater. Er studierte an der Kunsthochschule Braunschweig sowie an der RWTH Aachen Kunst- und Baugeschichte sowie Germanistik. 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